Das historische Taganrufen
"s´Dagoriefe"- ein altes, mystisches Ritual im Morgengrauen des Fasnachtmontag
In der stillen finsteren Nacht, lang nach dem fröhlichen Treiben des Fasnachtssonntags, kommt wieder Bewegung in die Gassen des Städtli. Es ist noch vor 5 Uhr, Schatten von Narrengestalten sind im frostigen Morgengrauen zu erkennen. Sie bewegen sich wortlos zur alten Gerichtsstätte Elzachs- dem Ladhof an der einstigen Stadtgrenze um ein altes Ritual abzuhalten. Nur die warme Atemluft entweicht qualmend in Rauchwolken aus den Öffnungen der Holzmasken wie dem Vieh auf dem Feld im morgentlichen Raureif. Die sieben in weißen Hemden gekleideten Taganrufer und die Taganrufermusik sind mit langen, spitz auslaufenden Hüten ausgestattet welche hier "Tschakkos" genannt werden. Diese stellen das Narrengericht in diesen Morgenstunden. Mit Ihren Augenmasken und den traditionellen Gewändern sorgen diese für eine mystische Atmosphere in der schwindenden Nacht. Auch die Schuttig mit Ihren teilweise furchterregenden Gesichtszügen kommen eher leise aus den finsteren Gassen heraus und ziehen in kleinen Gruppen in die Versammlungsstätte. Der Ladhof ist nun nur noch für diese seltsame Gesellschaft geöffnet- keinem Fremden wird nun Einlaß gewährt! Der Nachtwächter und sein Weib werden hier zu den Hauptdarstellern eines wohl fast mittelalterlichen anmutenden Aktes- die Betzeitglocke ist erklungen und der Nachtwächter erhebt seine senore Stimme mit dem Lied:
"Steht auf im Namen hetis gwißt,
wer unter uns Narren der Hauptmann ist.
Sechs Uhr ist schon längst vorbei,
und wir Narren sind alle frei! ..."
Der Laternenträger tritt sodann vor die Versammlung und die große Narrenchronik wird auf dem "Mattendatscher" aufgeschlagen. Hier werden nun in derbsten Reimen die Schildbürgerstreiche der Elzacher Bürger öffentlich gemacht. Bis dahin geheime Sünden der ortsbekannten Personen sind nun, oft auch in peinlichster Weise der Öffentlichkeit frei gegeben. Das wilde Brummen bishin sogar zu Brüllen der Schuttig nach jedem belustigendem Vortrag ersetzt den Applaus einer Narrengesellschaft.
Nun setzt sich ein Umzug unter Vorantritt der Taganrufermusik in Bewegung und an altbekannten Stellen (sieben an der Zahl) im Städtli wird nochmals öffentlich Gericht gehalten um auch das gewöhnlichen Fußvolk über diese sich sobald wie ein Lauffeuer ausbreitenden Geschichten zu unterrichten.

Der morgentliche Umzug ähnelt einer kirchlichen Prozession da Weizen- und Roggenkörner in Brunnen geworfen werden. Bis zum Anfang des Jahrhunderts gab es eine solche Prozession der Schuttig am Dreikönigstag. Die Schuttig zogen dem Pfarrer auf dem Pferd folgend rund um Elzach über Felder und Wiesen. Getreidekörner wurden Damals auf die Felder und in die Bäche geworfen, was ein altes Fruchtbarkeitsritual darstellte. Man kann sich vorstellen- bei den winterlich oft frisch auftauenden Wiesen und Äckern warum die Kinder zur damaligen Zeit "Schudreck, Schudreck..." den Schuttig nachgerufen haben...
