Das Bengelreiten in Elzach

Alle 7 Jahre wieder... das Bengelreiten in Elzach:


Am Fasnetsmendig Nachmittag findet alle 7 Jahre das "Bengelritte" in Elzach statt.
Ein alter Brauch der Handwerkszünfte, ähnlich dem "Bräuteln" in Sigmaringen, Scheer und Haigerloch. Auf Holzstangen wird der jüngstverheiratete Mann durch den Ort- s`Städtli getragen.
Dieser muß aber stets gut balancieren um nicht von den ledigen Maidle von dem wackeligen Hochsitz runtergeschlagen zu werden.
Mit Anzug und Zylinder (im 19. Jahrhundert gar eine gläserne Krone!) ausstaffiert entsteigt der Bengelreiter dem Fenster seines Schlafgemachs.

Auf dem Bengel- 2 miteinander verbundene Holzstäbe nimmt er mehr oder eher weniger bequem Platz.
Nun nimmt der Zug angeführt vom schwarzen Teufelsschuttig gestalt an und marschiert in das Zentrum der Narrenhochburg Elzach.
Am Fasnetsmendig sieht man übrigens nur beim Bengelreiten den düsteren Teufelsschuttig bei einem Umzug!
Diesem folgt die Zunftfahne und ein mit Bändern ausgeschmückter Reisigkranz- wie ein Schellenbaum getragen. Vier kräftige Burschen tragen den von 7 unverheirateten und 7 verheirateten Frauen umkämpften Bengelreiter. Sie säumen sich um den jungen Ehemann und versuchen mit Holzschwertern diesen aus der Balance zu bringen.

Auf den Seiten des Zuges spannen Narrenräte ein Seil um die dicht gedrängten Zuschauer auf Abstand zu dem Geschehen zu bringen.
Im Anschluss an die Bengelreitergruppe wird ein mit roten Bändern verzierter Tannenreisigbogen getragen- an Ihm sind drei historische Wappen befestigt. Das alte Elzacher Stadtwappen, ein Wappen des Großherzogtum zu Baden und ein Österreichisches Wappen, da Elzach bis 1805 zu Vorderösterreich angehörte.
Die Stadtmusik und eine Schaar Schuttige bildet den Abschluß des ungewöhnlich, seltenen Spektakels.

Cariñena Bodegas del Señorio Reserva


Nun zu dem Kampfgeschehen:
Nach Signal des Zunftmeisters an ausgesuchten Stellen im Ort geht der kampf los- Die unverheirateten Frauen versuchen mit den Sägezahnschwertern den armen Jüngling von den Holzstangen zu stoßen. Die 7 verheirateten Elzacherinnen hingegen wollen dies mit allen möglichen Mitteln verhindern...
Fällt dieser letztendlich doch hinunter wird er bei Applaus in den Nikolausbrunnen geworfen.
Fällt er nicht- bekommt er urkundlich bestätigt daß er sich als Bengelreiter ehrenhaft und närrisch bewehrt hat. Eine Auszeichnung die mit Sicherheit seltenheitswert hat!

Begleitet wird das Szenario mit Jubelstürmen und viel Gelächter der sich dicht ans Geschehen drängenden Schaulustigen.
Um nicht zu viele Blessuren davon zu tragen greift der Bengelreiter zu einem wattierten Anzug. Diese Idee hatte der ortsbekannte Schneidermeister Erich Schätzle als er 1950 den Ritt durch Elzach über sich ergehen lassen musste.

Das Bengelreiten fand in der Geschichte nicht immer statt. Es gab eine Pause von 1841 bis 1935 fast hundert Jahre eine Bengelreiterabstinenz. Elzachs Ehrenbürger Erwin Krumm (1898-1980) rief den alten Brauch 1935 wieder ins Leben der Elzacher Fasnet. Es wird vermutet daß der Brauch so lange ausgesetzt wurde, da zu den damaligen medizinischen Vorraussetzungen der Wurf in das eiskalte Wasser des Nikolausbrunnens gar todbringend sein konnte. Heute wird der Brunnen vorsorglich mit lauwarmen Brühwasser der Metzger gefüllt.

Leider ist der wegbegleitende Gesang der Kinder: "Tri-tra-trallala, fall nit über de Bengel ra!" seit den 30er Jahren nicht erhalten geblieben.

Doch die Geschichte der Schuttig ist ja noch jung...

Promt Translator